Ökologisch Bauen mit Holz

Holz als nachwachsender Rohstoff bietet zahlreiche Möglichkeiten, eine ökologische und nachhaltige Bauweise umzusetzen. Allein die Konstruktionsweisen bieten eine große Vielfalt.

So kann ein Holzhaus als Massivholzbau sowie in Holzständer- oder Holzrahmenbauweise errichtet werden. Mit dem Baustoff Holz und entsprechenden weiteren nachhaltigen Baustoffen ist es insbesondere auch in der Fertigbauweise möglich, ein langlebiges Bauwerk mit hoher Wohnqualität zu errichten. Neben der Verwendung von Vollholzquerschnitten für konstruktive Bauteile sind insbesondere im nachhaltigen Holzbau auch Holzwerkstoffe und ökologische Dämmstoffe aus Holzfasern zu finden.

Vorteile

Der Holzbau bietet nicht nur hinsichtlich der Nachhaltigkeit eine Vielzahl von Vorteilen, die sich bereits bei der Errichtung, aber auch später beim Bewohnen des Gebäudes zeigen:

  • Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, der als CO2-Speicher fungiert und bei der Verarbeitung zum Baustoff nur eine geringe Menge an fossiler Energie benötigt. Daraus resultiert eine insgesamt gute bis rechnerisch sogar neutrale CO2-Bilanz.
  • Die meisten Holzbauweisen sind flexibel, die Grundrisse können bei Bedarf verändert und angepasst werden.
  • Neben seinen guten konstruktiven und statischen Eigenschaften besitzt der Baustoff Holz gute Dämmwerte. Dadurch ergibt sich eine positive und wirtschaftliche Bilanz zwischen Energie- und Materialbedarf. Langfristig wirkt sich das auch auf die Unterhaltskosten des Bauwerks aus.
  • Holz ist in der Lage, Feuchtigkeit aufzunehmen und wieder abzugeben. Dadurch entstehen ein angenehmes Raumklima und eine hohe Wohnqualität.
  • Durch die guten energetischen Eigenschaften eignet sich die Holzbauweise ideal für die Kombination mit regenerativen Heizungsanlagen wie Wärmepumpe oder Solarthermie.
  • Durch den Wandaufbau und die flexible Konstruktion kann moderne Haustechnik wie eine kontrollierte Lüftungsanlage oder eine Zentralstaubsaugeranlage unkompliziert in den Wänden untergebracht werden.

Holzhauskonstruktionen

Beim Holzbau wird im Rahmen des Hochbaus grundsätzlich unter zwei verschiedenen Bauweisen unterschieden, nämlich dem Blockbohlenbau und dem Holzskelettbau. Innerhalb jeder Gruppe gibt es wiederum verschiedene Konstruktionsweisen. So können Blockbohlenwände ein- oder mehrschalig aufgebaut sein, beim Skelettbau wird in Holzständer- und Holzrahmen-, bzw. Holztafelbauweise untergliedert.

Blockbohlenbauweise

Entscheidend im Blockbohlenbau, der zu den traditionell ältesten Bauweisen gehört, ist der Wandaufbau. Das hohe Maß an Vorfertigung, das heute realisiert wird, ermöglicht kurve Bauzeiten und eine hohe Qualität. Insbesondere die Dichtigkeit des Bauwerks ist damit gewährleistet. Zusätzlich wird diese durch Dichtbänder und verschiedene weitere Details in der Konstruktion realisiert. Ein wichtiger Punkt beim Blockbohlenbau ist die Setzung. T-Leisten im Bereich der Fenster und Türen oder Gleitbeschläge bei mehrschaligen Wandaufbauten ermöglichen hier eine schadensfreie Angleichung. Die Wandaufbauten im Blockhausbau unterscheiden sich hinsichtlich ihres Holzanteils. Als Faustregel lässt sich sagen: Je mehr Holz verbaut ist, umso teurer wird die Wand. Grund dafür ist der steigende Holzpreis im Vergleich zu den erforderlichen Dämmstoffmengen. Folgende Wandaufbauten kommen bei hochwertigen Bauwerken aus Holz zum Einsatz:

  • Die massive Blockbohlenwand aus vorgefertigten Vierkant- oder Rundbohlen mit oder ohne Nut und Feder erfordert größere Wandstärken, um die Energiewerte der Energieeinsparverordnung (EnEV) zu erreichen. Je nach Gebäude und Konstruktion liegen die erforderlichen Außenwandstärken im Bereich zwischen 21 und 25 cm. Komplizierte Grundrisse und das Bauen über mehrere Ebenen ist nur begrenzt möglich und erfordert besondere Maßnahmen.
  • Doppelblockwände, oder auch Thermowände, bestehen aus zwei schlanken Blockbohlenwänden mit einer konstruktiven Mindeststärke von 95 mm, zwischen denen eine Dämmebene angeordnet ist. Im ökologischen Holzhausbau wird als Dämmmaterial ein Naturmaterial mit guter Ökobilanz verwendet. In Frage kommen zum Beispiel Flachs, Hanf, Holzfaser oder Zellulose. Insbesondere was die Setzung angeht, sind hier spezielle Maßnahmen zu treffen. Innenwände setzen sich schneller als Außenwände, um die Verformungen zu begrenzen, werden formstabil verleimte Bohlen eingesetzt.
  • Zweischalige Blockhauswände bestehen aus einer tragenden Blockbohlenwand, Dämmebene sowie einem Blockpaneel oder einer Vorhangfassade. Die zweischaligen Wandaufbauten können mit Innen- wie mit Außendämmung ausgeführt werden. Auch hier sind die unterschiedlichen Setzungen bei der Konstruktion entsprechend zu berücksichtigen. 

Die Innenwände im Blockhaus können wahlweise als Blockbohlenwand oder als leichte Trennwand ausgeführt werden. Auch gemauerte Wände können realisiert werden. Die Wandaufbauten werden je nach Ausführung in die tragende Blockhauskonstruktion integriert. Auch hier spielt die Beachtung der Setzung wieder eine wichtige Rolle.

Der Holzskelettbau

Ein Holzskelett als Tragwerk ist das Herzstück beim Holzskelettbau. Durch die Verwendung von Konstruktionsvollholz (KVH) oder Brettschichtholz (BSH) für die erforderlichen Stützen und Riegel lassen sich deutlich weitere Abstände als zum Beispiel im Fachwerkbau realisieren. Ein wichtiges Prinzip im Holzskelettbau ist das Raster. Durch wiederholbare Maße können die Bauelemente vorgefertigt werden, dies erhöht die Wirtschaftlichkeit und ermöglicht nachhaltige und energiesparende Verfahren, auch die Bauzeit verkürzt sich dadurch deutlich. Im privaten Hausbau kommen Holzständer-, Holzrahmen- oder Holztafelbau zum Einsatz. Die Konstruktionsprinzipien sind dabei weitgehend dieselben, die Unterschiede liegen im Maß der Vorfertigung. Während das Holzskelett beim Holzständerbau weitgehend auf der Baustelle errichtet wird, ist der Vorfertigungsgrad beim Holzrahmen- und Holztafelbau deutlich höher.

Da Tragkonstruktion und Dämmung in einer Ebene liegen, ergeben sich auf der einen Seite sehr gute Dämmwerte bei andererseits schlanken Wandquerschnitten. Installationen können in die Dämmebene integriert werden, durch zusätzliche Außen- oder Innendämmschichten kann ein Holzskeletthaus leicht auf den Passivhausstandard gebracht werden. Bei folgendem beispielhaften Außenwandaufbau kann mit einer Gesamtstärke von 23 cm bereits ein U-Wert von 0,237 W/m²K erreicht werden:

  • Gipskartonplatte
  • Holzwerkstoffplatte
  • Holzständer mit Gefachdämmung
  • Putzträgerplatte
  • Außenputz

Um einen vergleichbaren Dämmwert im Massivhausbau zu erreichen, sind Wandstärken zwischen 34 und 40 cm erforderlich. Dies macht die Holzskelettbauweise insbesondere in Zeiten steigender Baukosten und Grundstückspreise nicht nur nachhaltig, sondern auch wirtschaftlich.

Ein Haus besteht nicht nur aus Wänden

Eine ökologisch und nachhaltig ausgerichtete Wandkonstruktion lässt sich in der Holzbauweise leicht realisieren, zum nachhaltigen Bauen gehört jedoch noch mehr. So müssen auch die weiteren Bauteile und Baustoffe besondere Anforderungen erfüllen, damit mit dem Bauwerk ein nachhaltiges Gesamtkonzept entsteht. Für alle verwendeten Baustoffe gelten deshalb hohe Maßstäbe hinsichtlich Materialeinsatz, Energieverbrauch für Produktion und Transport sowie die Einwirkungen auf die Umwelt. Dies gilt für Dacheindeckungen ebenso wie für Dachabdichtungen oder Bodenplatten, Fenster und Türen. Viele Hersteller bescheinigen mittlerweile eine ökologische Unbedenklichkeit der Baustoffe durch Prüfberichte unabhängiger Institute und Gütesiegel.

Holz als nachhaltiger Baustoff

Holz kann in vielen Bereichen als nachhaltiger Baustoff eingesetzt werden. Je nach verwendeten bzw. nicht eingesetzten Zusatzstoffen wie zum Beispiel Klebern kann das Produkt zu einem vollständig ökologischen Produkt mit besten Eigenschaften hinsichtlich der Wohngesundheit und Wohnqualität verarbeitet werden. Neben der Nutzung als Konstruktionsvollholz, Brettschichtholz und anderen Massivholzprodukten kommt Holz als Werkstoff für OSB-Platten, Sperrholz, Spanplatten oder Holzfaserplatten zum Einsatz. Vergleichsweise neu sind Holz-Polymer-Werkstoffe (WPC). Hochwertige Produkte aus dieser Kategorie verfügen über einen hohen Holzanteil von bis zu 80 %, zusammen mit Kunststoff und anderen Zusatzstoffen entsteht ein komplett neues Material mit vielen positiven Eigenschaften. Zu beachten ist allerdings, dass bei Holzwerkstoffen je nach Inhaltsstoffen und Verfahren der Energiebedarf für die Herstellung steigt und keine Recyclingfähigkeit mehr gegeben ist. Dies mindert die Nachhaltigkeit.

Im ökologischen Hausbau kommen Holzfasern häufig auch als Wärmedämmstoff zum Einsatz. In der Regel werden Holzfasermatten verwendet, die sowohl im Winter wie im Sommer einen guten Wärmeschutz bieten. Die aus aufgeweichten und zerfaserten Hackschnitzeln herstellten Matten kommen ohne weitere Zusätze aus und sind deshalb sowohl ökologisch unbedenklich als auch vollständig recycel- bzw. kompostierbar. Neben dem Einsatz als Wärmedämmmaterial für innen und außen können die Matten auch im Trittschallschutz verwendet werden.

Das Heizungssystem im Holzhaus

Generell können im Holzhaus alle modernen Heizungsanlagen verbaut werden. Im Rahmen der Nachhaltigkeit sind insbesondere solche Anlagen empfehlenswert, die regenerative Energien ganz oder teilweise nutzen. Ideal ist eine Kombination mit Solarthermie zur Warmwasserbereitung oder zur Unterstützung der Heizungsanlage. Die teilweise hohen Anschaffungskosten, die bei bestimmten Systemen anfallen, können den späteren jährlichen Energiekosten gegenübergestellt werden, die in Kombination mit einem guten Dämmwert entsprechend niedrig ausfallen. Folgende Anlagensysteme sind im Holzhaus realisierbar und im Hinblick auf die Nachhaltigkeit empfehlenswert:

  • Scheitholzkaminofen mit Solaranlage und Fußbodenheizung
  • Pellets-Kaminofen mit Solaranlage und Fußbodenheizung
  • Halb- oder vollautomatische Pelletzentralheizung mit Fußbodenheizung (Schuppen oder Keller erforderlich)
  • Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Fußbodenheizung
  • Erd-Wärmepumpe mit Fußbodenheizung 

Wer die jährlichen Stromkosten, die beim Einbau einer Wärmepumpe anfallen, auf null setzen möchte, investiert zusätzlich in eine Photovoltaikanlage, die den jährlichen Strombedarf erwirtschaftet.

Neben dem Einsatz von regenerativen Heizungsanlagen kommen auch Gasbrennwertheizungen, kombiniert mit Solarthermie und Fußbodenheizung in Frage. Auch hier ist der Nachhaltigkeit Rechnung getragen, die Investitionskosten liegen etwas niedriger, allerdings sind die jährlichen Energiekosten dann sehr vom Gasmarkt und der Verknappung der fossilen Energien abhängig.