Ökologische Bauweisen im Überblick

Grundlagen jeder ökologischen Bauweise sind die Verwendung gesundheits- und umweltfreundlicher Baustoffe, ein energieeffizienter Produkt- und Lebenszyklus sowie eine nachhaltige Bauweise, die eine lange Lebensdauer des Gebäudes ermöglicht. 

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Die Basis

Basis ist stets die Beachtung der Planungsgrundlagen für nachhaltiges Bauen. Dazu gehört zum Beispiel auch das sogenannte „Cradle to Cradle“ Prinzip, das darauf beruht, dass alle verwendeten Materialien und Baustoffe in einen Kreislauf eingebunden bleiben.  

Bei bestimmten Bauweisen ist die Umsetzung ökologischer Schwerpunkte besonders einfach, da der Ausgangsbaustoff bereits aus umweltfreundlichen beziehungsweise nachwachsenden Materialien besteht. In Kombination mit Heizungsanlagen auf Basis erneuerbarer Energien wie Wärmepumpe, Pelletheizungen und der Solaranlage auf dem Dach, entsteht ein ökologisches und nachhaltiges Gebäude mit hoher Wohnqualität. Alle verwendeten Materialien sollten wenn möglich von regionalen Anbietern bezogen und verbaut werden; kurze Transportwege leisten einen wichtigen Beitrag für das ökologische Bauen. 

Ökologische Bauweisen in der Übersicht

Ökologisch bauen mit Holz

Bauen mit dem natürlichen und nachwachsenden Rohstoff Holz bietet zahlreiche Möglichkeiten für die Umsetzung ökologischer Grundlagen. Ob Massivholzbau, Holzständer- oder Holzrahmenbauweise, immer steht am Ende ein langlebiges und nachhaltig errichtetes Gebäude, das eine hohe Wohnqualität zu bieten hat. Der Holzbau hat viele Vorteile, die sich auch im Bereich der Ökologie positiv bemerkbar machen:

  • Als nachwachsender Rohstoff dient Holz als wertvoller CO2-Speicher und verbraucht für die Verarbeitung nur wenig fossile Ressourcen.
  • Holzbauweisen sind zum Teil sehr flexibel und können immer wieder an neue Bedürfnisse der Bewohner und wechselnde Nutzungsbedingungen angepasst werden. Dies macht ein Haus aus Holz zu einem nachhaltigen Gebäude.
  • Holz ist nicht nur tragfähig, sondern besitzt außerdem gute Dämmeigenschaften. Das verringert den Energiebedarf für die Raumwärme bei geringem Materialbedarf.
  • Holz beeinflusst als lebendiger Baustoff die Raumfeuchte und sorgt so für mehr Wohngesundheit.
  • Holz ist recycelbar und kann am Ende des Gebäude-Lebenszyklus dem Kreislauf wieder zugeführt werden.

Insbesondere im Fertighausbau wird ein Holzhaus zum ökologischen Bauwerk, wenn auch bei den weiteren Baumaterialien wie Dichtfolien, Dämmstoffen oder Dacheindeckungen auf umweltverträgliche und wohngesunde Materialien geachtet wird. Bei der Verwendung von Klebern oder Imprägnierungen ist auf Umweltverträglichkeit zu achten, dem konstruktiven Holzschutz kommt eine hohe Bedeutung bei. Dabei ist zum Beispiel auf Ausrichtung und Lage zu achten, für empfindliche Bauteile werden auf der Wetterseite besondere Schutzmaßnahmen getroffen. Durch geeignete Maßnahmen wird das Holz im Außenbereich vor Spritzwasser und Schlagregen geschützt.

Um auch das energetische Konzept an die ökologische Bauweise anzupassen, ist vor allem im Holzfertighausbau auf eine absolute Luftdichtigkeit zu achten. Das spart Heizenergie, nachgewiesen werden kann die korrekte und dichte Ausführung aller Anschlüsse durch den Blower Door Test. 

Stein auf Stein – ökologischer Mauerwerksbau

Viele Bauherren setzen immer noch auf den Mauerwerksbau als langlebige Variante und das zu Recht. Die „Stein auf Stein“ Bauweise steht für Sicherheit und beständige Werte. Soll ökologisch gebaut werden, sind Ziegelsteine die richtige Wahl für den Wandbaustoff. Da die Dämmwirkung eines Steines umso geringer ist je höher seine Dichte wird, werden hauptsächlich Holz- oder Lochziegel verwendet. Ideal als Baustoff im ökologischen Mauerwerksbau ist Poroton. Mit den verschiedenen Systemen der deutschen Qualitätsmarke können unterschiedlichste Bauvorhaben und Ansprüche an die Statik und Wärmedämmung realisiert werden.

Besondere Eigenschaften

Insbesondere folgende Eigenschaften machen den Ziegel zum idealen ökologischen Baustoff:

  • Die Ausgangsmaterialien Ton, Wasser und Sand lassen sich ökologisch und regional gewinnen und dünsten keine Giftstoffe auf. Für die verfüllten Ziegel kann natürlicher Perlit verwendet werden.
  • Es gibt keine Gefahrenpotenziale durch Algen, Schimmel oder Ungezieferbefall.
  • Der Mauerziegel muss nicht mit Pestiziden geschützt werden.
  • Durch die gute Wärmedämmung kann in vielen Fällen auf zusätzliche Wärmedämmung an der Außenwand verzichtet werden.
  • Nach dem Rückbau kann der Ziegel als reiner Bauschutt dem Recyclingprozess zugeführt werden.

Arten von Ziegelsystemen

Generell werden in der modernen ökologischen Bauweise im Mauerwerksbau drei Ziegelsysteme eingesetzt:

  • Der Dämmziegel als Hochlochziegel ist ein leichter Stein, der aus Ton, Porenbeton oder Vulkangranulat besteht und zum Teil durch Blähton- oder Polystyrolkügelchen zusätzlich hinsichtlich des Wärmeschutzes verbessert wird.  Der Dämmziegel ist aufgrund seiner vergleichsweise geringen Tragfähigkeit nur im privaten Ein- und Zweifamilienhausbau einsetzbar.
  • Vollziegel aus Ton, Kalksandstein oder auch aus Beton besitzen eine gute Tragfähigkeit, müssen allerdings zusätzlich gedämmt werden, um den Anforderungen an den ökologischen Hausbau zu entsprechen. Möglich sind Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) oder Vorgehängte Fassaden mit Zusatzdämmung.
  • Sogenannte Hybridsteine sind bereits vorab mit einer zusätzlichen Dämmschicht versehen. Während ein Vollstein die Tragfähigkeit gewährleistet, sorgt eine aufkaschierte Dämmziegelschicht für die erforderliche Dämmleistung.

Ein Haus aus Lehm

In unseren Breiten selten, aber dafür konsequent ökologisch, ist ein Haus in Lehmbauweise. Die Außenwände bestehen aus selbsttragenden Lehmsteinen oder mit Lehm ausgefachtem Holztragwerk; die Wärmedämmung wird ebenfalls mit Naturstoffen wie Flachs, Hanf oder Schilf gewährleistet. Der Wandaufbau einer massiven Lehmaußenwand könnte von unten nach oben zum Beispiel folgendermaßen aussehen:

  • Wandlage auf der Bodenplatte als Porotonziegel
  • Traglehmstein Mauerwerk mit integrierter Wandheizung, vermörtelt mit Lehmmörtel
  • Ringanker aus Beton

Im Querschnitt sind auf der Wandaußenseite Außenputz und Wärmedämmung, an der Innenseite Grundputz und Lehmedelputz angeordnet.

Alle Wandbauteile bestehen aus Lehm, von der tragenden Wandschale bis hin zum Innen- und Außenputz. Dadurch ist die Verwendung ökologischer Baustoffe gewährleistet, die Rohbaukosten bleiben gering und das Raumklima wird optimiert. Für die Beheizung wird ein Lehmwandheizungssystem integriert, das zum Beispiel an eine Wärmepumpe angeschlossen ist.

Konsequenterweise wird auch für den Deckenaufbau Lehm als Baustoff eingesetzt. Die Tragkonstruktion der Decke wird mit KVH-Balken realisiert, eine Lehmschüttung gewährleistet ein hohes Schallschutzmaß. Die Deckenunterseite wird zum Beispiel mit OSB-Platten oder Schilfplatten verkleidet und anschließend mit Lehm verputzt.

Wohnen im Stroh

Exotisch, dafür aber ausgesprochen umweltfreundlich ist die Strohballenbauweise. Stroh benötigt für seine Herstellung im Vergleich zu anderen Baustoffen nur wenig Energie und gehört zu den nachwachsenden und regional verfügbaren Rohstoffen. Hat das Strohballenhaus seinen Lebenszyklus durchlaufen, kann das „Mauerwerk“ einfach kompostiert werden. Typischerweise wird der Strohballenbau mit Lehm- oder Kalkputz kombiniert, auch Holz spielt als konstruktiver Baustoff eine tragende Rolle. Besonders hoch punktet die Strohballenbauweise hinsichtlich der Wärmedämmung, bei einer Wandstärke von 40 bis 50 cm wird bereits der Passivhausstandard erreicht.

Konstruktiv gibt es für den Hausbau mit Strohballen zwei Varianten. So können die Strohballen als Tragwerk eingesetzt werden oder als wärmedämmende Ausfachung für ein Holztragwerk dienen. Dient das Mauerwerk aus Stroh als Tragkonstruktion, sind die aufnehmbaren Lasten begrenzt, maximal eineinhalbgeschossige Einfamilienhäuser können so errichtet werden. In Deutschland muss dafür eine Einzelfallgenehmigung eingeholt werden.

Strohballen lassen sich übrigens nicht nur für den Neubau sondern auch für die nachträgliche Fassadendämmung einsetzen. Bis vor kurzer Zeit waren hierfür noch verschiedene Einzelfallgenehmigungen nötig, um den Baustoff Stroh attraktiver zu machen, wurden die Anwendungsbereiche der Allgemeinen Bauaufsichtlichen Zulassung erweitert. Die Erweiterung bezieht sich insbesondere auf die Verwendung von Strohballen als Dämmstoff. Für größere Bauvorhaben stehen mittlerweile auch vorgefertigte Bauteile als Holzrahmen mit verputzter Strohausfachung zur Verfügung.

Besonders wichtig beim Strohballenbau ist der Feuchteschutz. Ideal ist deshalb die Variante des Holztragwerks, da hier zuerst das Tragwerk mit Dach errichtet und anschließend witterungsgeschützt mit Strohballen ausgefacht werden kann. Generell müssen Strohballenhäuser einen ausreichend großen Dachüberstand besitzen, mindestens auf der Wetterseite ist eine Vorhangfassade empfehlenswert. Innen wie außen sollte der Wandaufbau diffusionsoffen sein, damit sich Pilze und Schimmel nicht einnisten können.